Der blühende Garten
Interview mit „Wein“-Pfarrer Hans Denk

Über die Natur befragt und eine Auswahl von Zeichnungen von Cornelia Mohr vor Augen (bei welchen sofort ihr humoristisch-liebevolle Zugang zum Thema auffällt), möchte ich als Erstes auf den blühenden Garten verweisen:

„Wir sind nicht auf Erden, um ein Museum zu hüten, sondern einen blühenden Garten zu pflegen, der vor Leben strotzt.“

Diese anspornenden Worte verdanken wir dem seligen Papst Johannes XXIII und er meinte damit, dass das Leben der Menschen und die Natur etwas ganz Komplexes und Geheimnisvolles sei. Man kann an das Leben und an die Natur nicht nur mit analytischem Verstand herangehen – wie ein Bub, der ein Auto zerlegt und im Endeffekt nur einen Haufen Blech hat. Es ist ungenügend, dem Newton ́schen Weltbild gemäß alles zu klassifizieren, in Schachteln und Kategorien einzuteilen und rein der Physik und Chemie unter zu ordnen.

Denn hinter der Schöpfung steckt ein geistiges Prinzip; – wie man es nennt ist eine andere Frage, man kann es auch Gott nennen; – und durch dieses Prinzip, welches einen Zugang bildet, eröffnet sich ein völlig neues Weltbild, in allen Bereichen und Disziplinen. Es ist der ganzheitliche Zugang zum Leben, der notwendig ist, um die Natur zu verstehen. So ist der reine analytische Verstandesweg zwar eine Annäherung an die Natur, aber eben nur eine, und es ist eine unvollkommene und unzufrieden Stellende: es fehlt die Seele.

Hier fällt mir auch der wunderschöne Satz von Saint Exupéry in „Der kleine Prinz“ ein. „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“.

Antoine de Saint Exupéry fordert uns in mit diesem ungemein kraftvollen wie auch tröstenden Ausspruch indirekt nicht zur zu einem ehrlichen und tief empfundenen Umgang mit der Natur auf, sondern er belegt auch den ganz wichtigen Unterschied zur oberflächlichen Betrachtung: nämlich dass dieser Blick (auf die Natur) nicht von oben herab geschehen darf, sondern auf Augenhöhe passieren muss.
Wer an der Natur vorbei geht oder sie gar unter sich wirft, wie es in unserer ausbeuterischen kapitalistischen Zeit nachweislich passiert, wer in seinem Größenwahn und in seiner Gier keinerlei Aspekte der Natur mehr geltend machen will, der zählt zum Schluss dann selbst auch nicht mehr.

Das Gebot der Stunde lautet daher „back to the roots“, zurück zu den Wurzeln, wir sind ein Teil der Natur, wir sollen auf Augenhöhe mit ihr sein und das könnte unsere Rettung sein. Denn die Natur anzuerkennen ist die beste Gewähr, den Zugang zum Leben und zu Gott zu finden.

Wenn man nun die Werke der Cornelia Mohr betrachtet, diese ungemein fantasievollen Zeichnungen, Malereien und Objekte, so fällt ihr liebevoller Blick auf die Natur nicht nur sofort auf, nein, er sticht förmlich heraus, und zwar bei jedem einzelnen, von ihr gewählten naturbezogenen Thema.

Sie gehört zu den Menschen, die einen besonderen Zugang zur Natur haben und sich nicht über sie und die Schöpfung stellen. Eigentlich mehr noch: sie eröffnet uns die Augen überhaupt für die Schönheit der Natur – und da erinnert sie an den großen Naturprediger Franz von Assisi und seinen „Sonnengesang“: Bruder Sonne, Schwester Mond!, dieses wunderbare, die Schönheit der Schöpfung preisende Gebet.

Einen Baum zu umarmen oder Feldblumen von unten zu betrachten – Menschen, welche solchermaßen erlebt haben, sprechen von ganz wunderbaren Erfahrungen. So gibt es auch Versuche mit Weinstöcken, welche bei der Zuspielung von Mozartmusik besonders prächtige Trauben hervorgebracht haben, und von Kühen, die bei klassischer Musikzuspielung mehr Milch geben. Von Pflanzen weiß man, dass sie besser wachsen, wenn man sie liebevoll behandelt. Alles, was mit mehr Liebe versehen wird, gedeiht einfach besser.

So sollte dieses Du & Du auf Augenhöhe für den Menschen als Teil der Natur eine Selbstverständlichkeit sein und er sich somit auch als Teil der Schöpfung verstehen – und dementsprechend handeln.

Die Kunst der Cornelia Mohr hat die wesentliche Aufgabe, dass man die großartige Schönheit und Vielfalt der Natur erkennt und dadurch auch erhält. Was für eine große Zielsetzung!
Ihr tief empfundener, ehrlicher Umgang, ihr Schalk, ihr neckisch-liebevoller Zugang und ihr Bewusstsein, dass alles in der Welt und im Leben überhaupt miteinander verbunden ist, werden ihr dabei helfen, ihren eigenen Sonnengesang zu kreieren.
Es ist ein großer Trost, Hoffnung in ihre Werke legen zu dürfen.

„Wein“-Pfarrer Hans Denk
Albrechtsberg, Waldviertel, 2013

Text als Download:
Der blühende Garten