Cornelia Mohr – Welten und Worte

Die ausgeprägte Liebe der Cornelia Mohr zu den Reichtümern der Natur ist auf den ersten Blick erkennbar, sind ihre Protagonisten doch meist aus dem Reiche der Flora & Fauna ausgewählt, mit oft witzigen Beschreibungen derer Eigenheiten und Absonderlichkeiten.

Ein Hang zum Detail wird akribisch gepflegt, wobei diese Details nicht selten zum Mittelpunkt und eigentlichen Thema der Darstellung gemacht werden – dem allgemeinen Verständnis zuliebe oft unter Zuhilfenahme von Hinweispfeilen, Rufezeichen oder dramatisch anmutenden Unterstreichungen.

Dieser Herangehensweise liegen ein sarkastisch ausgeprägter Humor wie auch eine spezielle Wahl der Konfrontation mit dem Betrachter zugrunde – dem Betrachter, oder wie Mohr es auch oft erwähnt, dem „Lesenden“; bezeichnet sie sich selbst doch gern als „Texteschreiberin“ in ihren Zeichnungen. Absichtlich möchte sie damit zwei unterschiedliche Welten ins Leben rufen, die der Farben und die der Buchstaben, und im vergnüglichen Spiel der Vermischung bis hin zur Verwirrung den Betrachter aufmuntern, ebenfalls seine Sinne auszuloten und auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der Darstellung ein zu gehen. Es ist eine schalkhaft-fordernde Konfrontation über das Dargestellte, welche allerdings nie einen endgültigen Eindruck bewirken soll, sondern stets nur als kleines zufälliges Fenster hinein-lugend in einen sich stets wandelnden Gesamt-Kosmos verstanden werden möchte.

So tummeln sich Tiere aller Art – Elche, Krähen, Schweine, Echsen oder gar Federvieh, bevorzugt auch Insekten und Einzeller, Wiesen- und Luftszenerien, Wasserstrudel und Regengüsse, schöne Tage und lustige Momente im Mohr ́schen Universum – auf Stäben präsentiert oder am Boden liegend, in trauter Geselligkeit oder meditative Einsamkeit bevorzugend, perspektivisch erforscht oder auch nicht – und stets in Begleitung von Überschriften, Texten und abstrakten Elementen.

Der Zyklus „De Naturalia“ (Zeichnungen und Collagen) ist somit an Farbe, Strich und Dramatik reich ausgestattet und durchgehend auch im Kleinformat gehalten. Die Wahl der geringen Anzahl von Zentimetern entspringt wohl einer Hinwendung an die Bewahrung kindlicher Neugierde – die Natur an sich heran zu lassen, sie ruhig auch einmal von unten zu betrachten und dabei umso variablere und eigenwilligere Eindrücke sammeln zu können.

„So genannte „kleine Welten“ haben mich schon immer fasziniert, da sie es erfordern, inne zu halten und genauer hinzusehen, oder inne zu halten und genauer hinzuhören, sich einfach etwas mehr Gedanken zu machen oder sich selbst die Chance zu geben, etwas gefühlsmäßig intensiver erleben zu dürfen. Dabei spielt der Zeitfaktor natürliche eine wesentliche Rolle, nämlich jene, los lassen und in einen Kosmos der eigenen Wirklichkeit(en) eintauchen zu können. Natürlich sind Buntheit und Dichtheit dieser Miniwelten auch eine Art Schutz – wer sich nicht wirklich um sie bemüht, wird sie auch nicht erleben, denn sie sind durch ihre Farben- und Formenvielfalt gewappnet vor allzu schnellen Blicken und oberflächlichen Deutungen – ein echtes Privileg meiner Meinung nach, nicht nur für die Welten allein, sondern besonders auch für den Betrachter. (Cornelia Mohr)

Ab und zu stülpt Mohr auch eine dreidimensionale Glocke über ihre Erlebniswelten und fängt ihren Kosmos sozusagen im gläsernen Kubus ein – oder präsentiert ihn in Form von Schaukästen an der Wand; immer in collagenartiger Form und mit verschiedensten Techniken gemischt. Es sind dreidimensionale Bereicherungen ihrer Zeichnungen und weisen eindringliche auf die Vielfalt und Kreativität ihrer Welten hin – Welten, welche die „Zeichnerin und Texteschreiberin“ von allen Seiten betrachtet wissen möchte und welche die unglaubliche Schönheit der Natur wider zu spiegeln versuchen.

Hélène Rhom-Trevies
Kulturjournalistin,
Deutschland-Frankreich 2013

Text als Download:
Welten und Worte