ÜBER DIE BEDEUTUNG DER SCHRIFT

Die Schrift als eine der ältesten Darstellungsversuche von Zivilisation und Inbegriff für Überlieferung kulturellen Lebens überhaupt darf in der Abbildungswelt nicht fehlen, wie wohl ihre Bedeutung in dieser streng bildnerischen Umgebung naturgemäß untergeordneten Charakter aufweist.
Sie dient meist – so schrecklich dies Literaten auch vorkommen mag – der Vervollkommnung des bildnerischen Gesamteindrucks.

Diese „Hintergrundfunktion“ erfüllt sie allerdings bravourös durch individuelle Linienführung (Handschrift) und durch ihre höchst interessanten Botschaften, sprich den Inhalten, welche sie dem betrachtenden Auge ungeschont entgegenwirft.

Denn so mancher Hintergrund besticht durch Witz, Aufklärungscharakter und Zusatzinformation, rundet das Gesamtgeschehen ab und stärkt somit die Bedeutung der Hauptdarsteller.

Einige Zeilen und Worte setzen sich jedoch über ihr Randbemerkungs- und Fußnotendasein hinweg und erscheinen als eigenständiger Teil innerhalb der Gesamtkomposition: in ihrer Bedeutung gesteigert durch die Verwendung großer Buchstaben, greller Farben und Rufezeichen, geklebt oder als Hinweiszeichen mit speziellen Einrahmungen getarnt – Bedeutungssteigerung mithilfe bildnerischer Mittel eben.

Immerhin können sie damit einen gleichberechtigten Teil gegenüber den restlichen Darstellungen gegenhalten. Damit sie das tun dürfen und letztendlich anerkannt werden, müssen sie allerdings spezielle Funktionen übernehmen: wie als Titel, Auslöser eines Aha-Effektes (der Betrachter kann das Gesehene endlich einordnen), als dummer Spruch, guter Ratschlag, flotter Hinweis oder als leichtfüßige Behauptung.
So kann auch der Text im Bild am Verlauf einer gesehenen Geschichte aktiv beitragen.

Cornelia Mohr, 2012

Text als Download:
Über die Bedeutung der Schrift