Die Wochenblätter 2013

Die Wochenblätter waren dazu gedacht, bereits vorhandene Skizzen, Kopien und Ideen der vorhergehenden Arbeiten und Zyklen, insbesondere der SchauWelten, zu verwenden und diese als unmittelbar Weiterführende in kurzfristige (wöchentliche) kleinformatige Zeichnungen umzuwandeln.

Dabei wurde eine gewisse Verselbständigung erwartet, eine etwas längerfristige, sagen wir eine monatliche oder quartalsmäßige Hinwendung an unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten, zeitlich also gemächlicher nachvollziehbar und im Nachhinein, mit Beendigung des Zyklus, hübsch interpretierbar.

Aber es ist natürlich ganz anders gekommen.

Statt der Ausstrahlung in diverse Richtungsmöglichkeiten (statt der Liebäugelei mit Formenauswüchsen) fand eine totale Verdichtung der Themen und Techniken statt und der Zyklus „Wochenblätter“ kann getrost als bisher wichtigste Zeichenfolge dieser von mir betretenen Darstellungslandschaft gesehen werden.

Sollte ich nun gefragt werden, als was ich mich denn sehe, steht natürlich die Zeichnerin an erster Stelle des Antwortenkataloges, aber Subprofessionalitäten wie die der Geschichtenerzählerin, Texteschreiberin, Szeneriendarstellerin und Botschafterin des Schalks sind mindestens ebenso wichtig, da in jeder Zeichnung vorhanden und mehr oder weniger aufdringlich.

Tiere waren schon immer ein Thema für mich und da ich vom Stillleben her komme, fanden Pflanzen auch bald ihren Platz. Zusätzlich zu der mir eigenen Darstellung von Beobachtern bzw. erfundenen Lebewesen am Rande des Geschehens bzw. in einer beobachtenden und manchmal auch beurteilenden Position sind sie die ungemein wichtigen passiven Atmosphärenmacher in jedem einzelnen Blatt.

Und nimmermüde bin ich bei der Aufzählung all der liebenswürdigen Begleiterscheinungen und Protagonisten, ohne deren Existenz meine Darstellungen gar nicht möglich wären:

Fische, im Ganzen oder filetiert
Kleinstorganismen im Glase
grüne Pferde, orangene Karnickel, Schaukästen mit viel Bewegung drin, Hundeprofile, kosmische Strahlenkränze, mutige nackte Schönheiten, grüne schüchterne Löwen, neugierige Bodenwürmer, Haifischbabys und Tänzerinnen, Bulldoggen und Juroren, Freaks und Ausgestorbene, handlungs- und bemerkungsfreie Zonen, A + D1 + B2, Lesebibliotheken, Funny Lifes, Ananas, Eidechsen, Schneckenmänner und Pfeilsysteme, Wale mit bunten Punkten, Federtiere und Knochenwesen, Waldbewohner und Meeresungeheuer, Zeltlandschaften, Wüstenregionen, ausgebeutete Schlangen und besserwissende Nackedeis, helle Sonnen, rosa Hintergründe, dramatische Szenen und romantische Zwerge.

Cornelia Mohr

Text als Download: Die Wochenblätter 2013